Legenden und Bräuche
In der christlichen Geschichte galt es als schweres Verbrechen, einen Holunderbaum zu fällen, nachdem Unglück und sogar der Tod drohen konnte.
Angeblich soll sich Judas an einem Holunderbaum erhängt haben.
Nach einer Legende soll die Gottesmutter Maria auf der Flucht nach Ägypten unter einem Holun- der gerastet haben. Deshalb wurde nach altem Volksglauben vor jedem Holunder wie vor einem Heiligenbild der Hut abgenommen.
Das Kreuz Jesu war aus Holunder gefertigt; deshalb enstand vielleicht die Legende, daß Holunder nur dort wachse, wo Menschenblut vergossen wurde.
Die alten Germanen sahen in ihm einen heiligen Baum, der der Schutzgöttin Frau Holle gewidmet war.
Der "Holderbusch" war der Sitz der Göttin Holder oder Holla, die das Leben der Pflanzen und Tiere beschützte und deshalb brachten die Germanen ihr auch unter einem Holunderbaum ihre Opfer dar. Da sie die germanische Hauptgöttin ist, hatte sie bei weitem mehr Bedeutung, als es im Märchen der Gebrüder Grimm beschrieben ist. Dort könnten übrigens die Schneeflocken (bzw. das Gold) die weissen Blütensternchen des Holunders sein und das Pech die dunklen Beeren (deren Flecken ja wirklich kaum mehr rausgehen!)
... einige nennen mich Mutter Holunder, andere nennen mich Dryade,
aber eigentlich heiße ich Erinnerung"
(aus: Andersen, Christian Mutter Holunder und andere Märchen Beltz & Gelberg 1992)
In der nordischen Sagenwelt zieht auch die Liebesgöttin Freya in einen Holunderstrauch ein. Eine wichtige Rolle spielt die Verehrung des Holunders durch die Kelten, festgehalten in ihren Baumkalendern. Als "Baum der Königin" teilten auch sie dem Holler eine wichtige Rolle zu.
Auf Stoffen oder Leder ergibt der Saft der schwarzen Beeren (von daher der deutsche Name: Schwarzer Holunder) - je nach Stärke der zugesetzten Säure - rote, schwarze oder blaue Farbtöne.
Die Holunderrinde färbt tiefschwarz, die Blätter bewirken eine moosgrüne Farbe.
Die Damen der römischen Aristokratie färbten sich ihre Haare mit Holundersaft, der auch pflegend und festigend wirkte.
Frische Zweige hing man in Räumen auf, um die Fliegen zu vertreiben.
Im Volksglauben hausen die guten Hausgeister in Holunder-Bäumen, daher überlegt sich der abergläubische Landbewohner ganz genau, ob er einen Holunder fällen soll oder nicht.
Man pflanzte den Holunder oft zum Schutz gegen böse Geister und gegen den Blitzeinschlag als Hausbaum. Ein alter Glaube besagt, daß es ein Zeichen dafür sei, daß ein Verstorbener seine Ruhe gefunden habe, wenn ein auf seinem Grab eingepflanzter Holunderzweig zu wachsen begänne. Es war unter Strafe verboten, einen "Holler" zu fällen.
Wie der Hollunder blüht, Rebe auch und Lieb' erglüht. Blühen beid' im Vollmondschein, gibt's viel Glück und guten Wein. (Bauernregeln)
Ringel, Ringel, Reihe,
wir sind der Kinder dreie,
wir sitzen unterm Hollerbusch,
und machen alle husch, husch, husch.
(Alter Kindervers)
"Spielpflanze": zum früheren Kinderspiel, besonders der Jungen, gehörte es, die Zweige des Hollerbusches als Pfeilspitzen für Pfeil und Bogen auszuhöhlen, Blasrohre oder Flöten daraus machen, die unreife Fruechte als Blasrohrgeschosse zu benutzen.
Der Volksmund sagt: "Wer Holunder bei sich trägt, schreckt vor Ehebruch zurück" - vielleicht hilft`s ja!
An manchen Orten erzählen die Bauern ihren Enkeln noch heute, dass man vor jedem Holunder- strauch, an dem man vorbeigeht, den Hut zu ziehen hätte. Denn an ihm sei alles nutzbar, Blüten, Blätter, Früchte, Rinde und Wurzeln.




